Warum komme ich nicht in den Schreibfluss?

Notizbuch vor Weihnachtsdeko. Im Buch steht geschrieben: "Komm ins Schreiben."

Und dann fehlen sie... die Worte

Kennt ihr das? Ihr fangt an zu schreiben und es läuft. Ihr kommt in eine Art Trance, in der ein Wort das andere ergibt, und ein gutes Gefühl steigt in euch auf. Egal ob Blogartikel, eine Pressemitteilung oder ein Tagebucheintrag, es sprudelt aus euch heraus. Aber dann gibt es die Momente, da läuft es so gar nicht. Ihr sitzt vor dem PC, aber kein Wort passt zu dem anderen. Eigentlich löscht ihr mehr als ihr schreibt. Auch diese Momente kenne ich nur zu gut, deshalb schreibe ich einen Blogartikel dazu. 

Ich habe in meinem Leben bereits Tausende Artikel geschrieben, Website-Texte gedichtet und Pressemitteilungen verfasst. Die Menge an E-Mails und Social-Media-Posts ist nicht zählbar. Und obwohl ich das Schreiben ganz professionell im Studium und im Volontariat gelernt habe, läuft es manchmal einfach nicht. Das kann viele Gründe haben. Beim Reflektieren sind mir drei Faktoren aufgefallen, bei denen ich merke, dass sie großen Einfluss auf mein Schreiben haben können. 

Spoiler: Im Netz findet ihr zahlreiche Artikel gegen Schreibblockaden. In diesen findet ihr mindestens zehn, meistens aber sogar mehr Tipps, die euch unterstützen können, diese zu überwinden. Auch gibt es Bücher und sogar schön gestaltete Karten, die bei Schreibblockaden helfen. Das Thema wird also schon sehr viel beleuchtet. Ich stelle euch in diesem Artikel deshalb Dinge vor, die meinen persönlichen Schreibfluss beeinflussen können und welche Strategien mir persönlich weiterhelfen. Vielleicht erkennt ihr euch bei dem ein oder anderen Szenario ja wieder. ,

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Meine Stimmungslage...

Was ich am Anfang meiner Karriere unterschätzt habe, ist, wie sehr meine Stimmung sich auch auf mein Schreiben auswirken kann. Nicht immer, aber manchmal schon. Wenn sich mein Hormonhaushalt während PMS in den Keller begibt, läuft es auch beim Schreiben manchmal unterirdisch: Mein Kopf fühlt sich flauschig wolkig an, kein Gedanke ist so wirklich klar und die Worte bleiben an der Watte im Kopf hängen. Kennt ihr das?  

Als junge Redakteurin habe ich mich dann oft gezwungen, mich „nicht so anzustellen“, und versucht krampfhaft Wörter aneinanderzureihen. Das Ergebnis war meist okay, der Energieeinsatz allerdings vollkommen unverhältnismäßig. In der Öffentlichkeitsarbeit probierte ich, das Schreiben auf einen anderen Tag zu verschieben, wenn das möglich war. 

Heute verfolge ich eine andere Strategie: Ich schreibe erst einmal etwas ganz anderes, als ich gerade muss. Denn wenn ich mich wirklich im Tief fühle, dann feuert Druck nur die Abwärtsspirale weiter an. Diesen Blogartikel habe ich zum Beispiel begonnen, während ich an meinem Businessplan saß. Der Blogbeitrag lässt sich wesentlich besser gerade in Worte fassen als meine Geschäftsidee, obwohl ich mich damit intensiv beschäftigt habe und ich auch eigentlich weiß, welche Inhalte der Businessplan umfassen soll.  

Warum geht der Blogbeitrag dann so viel besser?  

Ich habe mir nicht den Auftrag gegeben, jetzt einen Blogbeitrag zu schreiben, sondern ich habe einfach angefangen zu schreiben, frei, ohne Druck, ohne Ziel. Das bedeutet nicht, dass jede Schreibaktion in etwas Produktivem endet. Ich schreibe mir dadurch aber ein bisschen Druck oder um im Bild zu bleiben Wolken aus dem Kopf. Ich zeige mir, dass die Worte noch da und nicht alle im Wattekopf verloren gegangen sind. Man könnte diese Methode als eine Variante des freien Schreibens bezeichnen. Variante, weil ich zwar einfach drauf los tippe, allerdings etwas in mir schon ein Thema gesetzt hat, auf das ich mich fokussiere. Wie jetzt auf das Thema Schreibfluss.

Auf Wikepedia wird Freewriting als eine Methode des Schreibens“ definiert, „bei der die Gedanken bzw. der Bewusstseinsstrom des Schreibenden zu Papier gebracht werden, ohne sie zu reflektieren, zu bewerten oder nach geeigneten Formulierungen zu suchen.“ (Wikipedia, Freewriting) Kennt ihr freies Schreiben und habt ihr es schon einmal ausprobiert? Wenn nicht, kommt gerne in meinen kostenlosen Schnupper-Workshop „Komm in den Schreibfluss“ und probiert es aus. Hier geht es zu den Infos.

Ein Kreis mit der Ziffer 2. drin. Damit wird der 2. Punkt der Aufzählung begonnen.

Das Setting...

Auch wo und wie ich schreibe, kann meinen Schreibfluss beeinflussen. Bei meinen bisherigen Jobs habe ich viel am Schreibtisch im Büro gearbeitet. Für viele ist das super, um sich zu konzentrieren. Für mich ist das allerdings meist kein guter Ort, um zu schreiben. Ich werde sehr leicht abgelenkt. Gerade in Großraumbüros, wo Kollegen telefonieren, zum Drucker gehen oder laut tippen, fällt es mir schwer, den Fokus zu behalten. Schon im Studium habe ich mir deshalb angeeignet, in solchen Situationen zu Musik zu greifen. Mit Kopfhörern schalte ich viele Ablenkungsfaktoren aus und ich komme besser in den Fluss.

Auf der anderen Seite gibt es auch Settings, die beflügeln mich geradezu beim Schreiben, zum Beispiel Cafés. Das ist vielleicht ein Klischee und wirkt konträr zu meiner vorherigen Aussage. Aber wenn es um mich herum nach Kaffee duftet, viele Menschen sich angeregt unterhalten und eine gute Stimmung herrscht, dann sprudelt es nur so aus mir heraus. Der Vibe und die gut gelaunten Menschen bilden eine angenehme Geräuschkulisse und wirken sich so positiv auf meine Kreativität aus.   

Generell bin ich allerdings recht flexibel, was das Setting betrifft. Blogbeiträge schreibe ich zum Beispiel gerne von der Couch. Ich habe festgestellt, dass meine Texte dann persönlicher sind. Für wichtige Mails sitze ich lieber am Schreibtisch, da habe ich mehr Struktur. Und manchmal hilft es mir auch, mir einen Kaffee zu machen und ein bisschen Café-Gefühl mitschwingen zu lassen. 

Wenn ihr mögt, haltet doch mal an dieser Stelle für einen Moment inne und überlegt, wie das bei euch ist? Habt ihr schon mal das Setting gewechselt, wenn die Worte nicht fließen wollten? Vielleicht wollt ihr das mal ausprobieren.

Ein Kreis mit der Ziffer 3. darin. Damit wird der 3. Punkt der Aufzählung begonnen.

Das Thema...

Es gibt einfach Dinge, da fällt es mir schwer, einen Text zu verfassen. Komplexe IT-Themen gehören zum Beispiel dazu. Hier tue ich mich oft schwer, einen Zugang zu finden. Ich möchte immer alles verstehen. Bis ins letzte Detail. Oberflächlich irgendetwas zu schreiben, gehört nicht zu meinen Vorlieben. Das ist im praktischen Leben einer Redakteurin manchmal hochambitioniert, denn vieles ist komplex. In kurzer Zeit kann ich gar nicht verstehen, was andere über Jahre studiert, geforscht oder bearbeitet haben. 

Auf der anderen Seite gibt es einfach Themen, die mir nicht liegen. Ich musste zum Beispiel in einem Praktikum mal Promi-News schreiben. Ich weiß nicht mehr, um was es ging. Aber ich dachte die ganze Zeit, wen interessiert das? Und warum schreibe ich das überhaupt. Ich kann auf jeden Fall konstatieren, dass mein Schreibfluss negativ beeinflusst wird, wenn ich die Sinnhaftigkeit des Inhalts anzweifele.

Verzögerungstaktik

Manchmal ist es aber auch ein unangenehmes Thema, das ich zum Beispiel in eine E-Mail packen muss. Das kennt sicher jeder, oder? Es muss ein Problem geklärt werden, um das alle auf der Arbeit gerade einen Bogen machen. Oder es ist etwas wirklich schiefgelaufen. Solche Themen sind, so glaube ich, für die wenigsten Menschen angenehm zu kommunizieren. Sie lösen Druck aus. Und der wiederum Stress. Und der gilt als eine der Ursachen für Schreibblockaden. 

Doch wie löse ich das? Mit manchen Themen muss ich mich heute nicht mehr befassen. Das ist vorteilhaft, aber natürlich nicht immer eine Strategie. Was tue ich also? Wenn ich merke, dass ich gestresst werde, lege ich eine kurze Pause ein. Ich habe eine ganze Zeit lange Eilmeldungen geschrieben. Das sind die Nachrichten, die ihr im Handy als Pop-ups angezeigt bekommt, weil jemand entscheidet, dass sie so wichtig sind, das Leser:innen direkt darüber informiert werden müssen. Zum Start des Schreibens waren meine Gedanken vor allem durch das Wiederholen von „oh Gott, oh Gott, ich muss schnell sein“ geprägt. Das kann ich nicht empfehlen, denn es fiel mir deutlich schwerer die Informationen zu verwerten. Da es auch sehr anstrengend ist, habe ich schnell damit begonnen, meinen Atem einzusetzen. Dass man Atmen auch bei Achtsamkeit einsetzt, habe ich erst viel später gelernt. Ich atmete einfach mehrfach tief ein und aus. Ohne dabei an etwas anderes als das Atmen zu denken. Nicht lange. Manchmal reichte ein tiefer Atemzug, und es fühlte sich an, als ob ich ziemlich ruhig und fokussiert werde. Kennt ihr das? Seitdem atme ich, wenn es stressig wird, oder bewege mich, auf jeden Fall setze ich in irgendeiner Form einen kurzen Break ein.

Das waren nun drei Faktoren, die meinen Schreibfluss beeinflussen. So viele mehr fallen mir auf Anhieb ein. Schon allein, weil es so viele Dinge gibt, die Stress verursachen können: Ganz offensichtlich Zeitdruck oder auch der Empfänger des Geschriebenen. Keiner will vorm Chef als Kommunikationsdesaster dastehen. Aber nicht nur Druck auf der Arbeit ist hier relevant. Auch Grußkarten zu Weihnachten an Familie und Freunde können mich manchmal vor Herausforderungen stellen. Ich will etwas Schreiben, was den anderen freut. Oder zum Lachen bringt. Auf jeden Fall unsere Beziehung widerspiegelt. Da das passende zu finden, ist nicht immer leicht. Da hilft mir manchmal Brainstormen, ob mit Google oder KI. Nicht um Texte zu kopieren, sondern um Inspiration zu finden. 

Haltet gerne einen Moment inne und fragt euch, wann ihr das letzte Mal Probleme hattet, etwas zu formulieren. Welche Strategien verfolgt ihr? Lass uns gerne auf Instagram dazu austauschen. Und wenn du jetzt Lust bekommen hast, freies Schreiben auszuprobieren, dann melde dich gerne für meinen Schnupperkurs an.

Bis nächste Woche und lasst euch bis dahin nicht von den Weihnachtskarten stressen!